Beyond Borders 2020
Florida Man und der Orden des Pizza Squirrels

Der Unterschied hätte nicht größer sein können: Wir stehen im Hotel, eine Kofferwand trennt uns von Luke, einem Mitglied des USA BeyondBorders-Team. Wir würden uns gerne persönlicher verabschieden, aber ein gewisses Virus steht zwischen uns.

Drei Wochen zuvor: Sommerliche Märznacht. Flughafen Tallahassee. Erschöpft, aber glücklich werden wir herzlich und kreischend wie Popstars in Florida empfangen. Das Eis ist schnell gebrochen. Zwischen Plakatempfang und Kofferabschied auf Distanz passiert neben 12-Mann in einem Bett und Gruppen-Football so einiges.

Doch fangen wir etwas geordneter an:
Alles läuft wie geplant, als wir nach einem langen, aber lustigen Flug schließlich in Tallahassee ankommen. Schon das Frühstück ist sehr amerikanisch. Verwöhnt werden wir mit All-You-Can-Eat Buffets und leckeren Bagel- sowie Sandwich-Restaurants. Das führt bald zu wachsenden Bäuchen, die liebevoll Suwannee-Babys (Mensa) genannt werden. Doch auch diejenigen, die nicht an einer Schwangerschaft interessiert sind, kommen auf ihre Kosten. Die Obstauswahl beim Frühstück ist gigantisch, das Salat- und Gemüsebuffet lässt keine Wünsche offen und fühlt sich gar nicht amerikanisch an. Dem schaffen Pizza, Burger und Nachtisch Abhilfe - und werden nachts noch durch Snacks aus den endlosen Hallen des Walmarts ergänzt. “Erdnuss-” steht hier vor fast allen Produkten. Erdnuss-Oreos, Erdnuss-Käsecracker und natürlich Reese’s lassen die Taschen auf der Rückreise schwerer werden (BTW: Erdnussbutter darf nicht ins Handgepäck). Dazu kommen noch Erinnerungsstücke aus dem Uni-eigenen 3D-Drucker, eines der FSU- Specials neben unzähligen anderen wie riesigen Sportstätten, einem Kino, Spielekonsolen und Paint-A-Pot. Dabei werden wir Zeugen amerikanischer Schlagzeilen: “Florida Pizza attacked by a squirrel”.

Apropos Sport: Eines unserer Highlights ist sicherlich das Basketballspiel, bei dem wir sogar das Maskottchen hautnah kennenlernen. Dabei fallen wir in unseren FSU Pullis gar nicht mehr auf. Auch wir selbst werden sportlich aktiv. Nach einiger Zeit weniger im großen Fitnesscenter auf dem Campus und mehr in mexikanischen Bars, die sich nachts in Tanzflächen verwandeln. Natürlich mit Pre- und Aftergame und amerikanischem Bud Light.
Das von der FSU organisierte Programm ist super abwechslungsreich - und je mehr Tage wir vor Ort verbringen, umso schwerer erscheint uns der Abschied. Aber umso gebührender wollen wir den letzten gemeinsamen Abend zusammen feiern! Alle herausgeputzt zum Abschiedsdinner lassen wir uns den Abend auch nicht davon vermiesen, dass die Reise der Amis zu uns kurz zuvor wegen Corona gecancelt wurde. Mit unglaublich süßen Worten wird jeder gewürdigt, ein paar letzte teambildende Maßnahmen folgen und im Anschluss geht die Party richtig los… Und wenn gefühlt 100 Leute in einem Bett liegen, knüpft das ganze besondere Bande. So sind wir uns beim Aufbruch zum Independent Travel alle sicher, dass es kein Abschied für immer ist, sondern dass auch wir ihnen einen genauso herzlichen Empfang in Deutschland bereiten werden - egal wann und egal wie.

Josi, was ist Conditioner?

Das Gepäck ist in unseren zwei Autos verstaut und wir machen uns auf den Weg nach Orlando. Erster Zwischenstopp: St. Augustine. Die Begeisterung ist so groß, dass nicht mal mehr Zeit bleibt, um die Badesachen auszupacken. Kurz entschlossen springen wir in voller Montur ins Meer. Spontane Aktionen sind bekanntlich die besten, aber auch unsere geplanten Vorhaben lassen nichts zu wünschen übrig. Sei es das Kennedy Space Center (Disney und Universal haben sich schon in die Corona-Ferien verabschiedet) oder die Kajaktour in den Everglades.

“Man soll doch nicht im Zick-Zack laufen, wenn man von einem Alligator verfolgt wird!” Lilith kommt gerade zum Auto zurück, da beginnt sie auch schon zu referieren. “Der Alligator ist gerade sogar bis auf die Straße gelaufen und der Ranger hat uns aufgeklärt”. Wir haben aber leider auch einen typischen Florida Man gesehen - ein Mann, der seine Kinder dabei gefilmt hat, wie sie Alligatoren mit einem Stock schlagen.

Nach einem kleinen Spaziergang im Alligatorenschilf geht es mit den Kajaks noch näher an diese Kreaturen heran. Gemächlich paddeln wir durch die schöne Natur und machen zwischendurch eine Pause, um uns mit Obst und Schokolade zu stärken - und die Alligatoren mit akrobatischen Tricks zu beeindrucken.

Von Miami aus schaffen wir es auch fast bis ganz in den Süden nach Key West. Gemeinsam genießen wir stattdessen einen Sonnenuntergang am Strand - nachdem wir fast Schnorcheln waren, fast mit Seekühen geschwommen wären, fast Delfine gesehen hätten...

Doch diese “fasts” mindern unseren Spaß kaum. Unsere Gruppe wird umso flexibler, je stärker wir zusammenwachsen. Statt in einem kubanischen Restaurant in Miami zu essen, halten wir uns streng an die Corona-Restriktionen und picknicken auf einem Parkplatz in Little Havanna. Unseren Abend in Miami schließen wir mit einer Wegrenn-Aktion vor der Polizei ab. Eine längere Geschichte... Nur so viel sei verraten: Für die Drohnenaufnahme hat es sich gelohnt! Und dabei hätten wir fast früher als geplant zurückfliegen müssen.

Letztendlich bleibt es aber doch bei unserem ursprünglichen Abflugdatum und wir kommen sogar fast bis nach Deutschland. Für die letzten Meter von Paris bis Dresden steigen wir wieder ins Auto - egal was es kostet, Hauptsache, wir kommen an (danke, Studentenwerk).

Wir haben auf dieser Reise auf jeden Fall sehr viel gelernt, nicht nur über uns selbst, sondern auch über die anderen. Und nicht zuletzt auch, was es mit Conditioner auf sich hat. Oder wie man einen Zauberwürfel löst.