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Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Ratgeberbeitrag aus der Kategorie „Lifestyle“.

Abenteuer Gapyear: So vielseitig ist die Auszeit im Lebenslauf

Veröffentlicht am 23.01.2019Autor: D. Korkut

Foto: @ langll (CCO-Lizenz) / pixabay.com
Foto: @ langll (CCO-Lizenz) / pixabay.com

Auf dem Weg ins Berufsleben und zur Traumkarriere durchlaufen junge Menschen viele Stationen. Je nach angestrebtem Schulabschluss, persönlichem Potential und Zukunftswünschen nimmt ein Lebenslauf ganz individuelle Wendungen. Die Anforderungen des Arbeitsmarktes haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt und immer häufiger wünschen sich zukünftige Arbeitgeber auch Kompetenzen, die nicht unbedingt ausschließlich im Rahmen einer Berufsausbildung oder eines Studiums vermittelt werden. Lebenserfahrung und individuelle Kenntnisse rücken zunehmend an den Platz, der in der Vergangenheit ausschließlich Zeugnissen und schriftlichen Leistungsnachweisen vorbehalten war.

Umso wichtiger wird es für junge Menschen auf dem Weg zu ihren beruflichen Zielen, ihrem Lebenslauf ein paar außerschulische Aktivitäten beizumischen, die sie nicht nur für potentielle Arbeitgeber interessanter machen, sondern ihnen auch die Möglichkeit geben, wertvolle Lebenserfahrung zu sammeln, die ihren ganz persönlichen Werdegang ganz enorm bereichern können. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich deshalb zu einem so genannten Gapyear, einer Auszeit im Lebenslauf, in der sie sich auf den Weg machen, um die Welt kennenzulernen, Menschen zu treffen und Erfahrungen zu sammeln. Wie so ein Gapyear aussehen kann und wann die kleine Auszeit besonders gut passt, ist individuell verschieden. Hier möchten wir ein paar interessante Anregungen für Ihr ganz persönliches Gapyear bieten und hilfreiche Informationen vermitteln, damit die Lücke im Lebenslauf zu einer echten Bereicherung wird.

Gibt es den idealen Zeitpunkt für ein Gapyear?

Wer mit dem Gedanken an ein Gapyear spielt, wird sich neben der Gestaltung der Auszeit natürlich die Frage stellen, wann sie zeitlich am besten passt. Ganz allgemeingültig ist diese Frage nicht zu beantworten. Jeder Schüler, Studierende oder Berufseinsteiger kann grundsätzlich ein Gapyear einlegen. Je besser die Auszeit allerdings geplant ist, desto bereichernder lässt sie sich gestalten.

Ein Gapyear, darauf lässt schon der Name schließen, umfasst in den meisten Fällen einen Zeitraum von einem Jahr. Es ist auch möglich, einen kürzeren Zeitraum für eine individuelle Auszeit zu wählen, allerdings sollte genügend Zeit eingeplant werden, um die wertvollen Erfahrungen, die ein Gapyear mit sich bringt, auch voll ausschöpfen zu können.

Da junge Menschen, die sich für ein Gapyear entscheiden, ihren bisherigen Lebensweg für mehrere Monate verlassen, ist es sinnvoll, einen Zeitpunkt zwischen zwei Lebensabschnitten zu wählen. So muss ein laufender Prozess nicht unterbrochen und möglicherweise mit Nachteilen wieder aufgenommen werden. Erfahrungsgemäß eignet sich ein Gapyear besonders gut unmittelbar nach dem Schulabschluss und vor dem Beginn einer Berufsausbildung oder eines Studiums, nach dem Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums und vor dem Einstieg in den Beruf oder nach der erfolgreichen Beendigung eines Teilabschnittes des Studiums, beispielsweise nach Abschluss des Bachelorstudiums und vor der Aufnahme des Masterstudiums.

Auch Berufseinsteiger können sich nach ersten praktischen Erfahrungen im Beruf noch für ein Gapyear entscheiden, um sich zum Beispiel zu orientieren, bevor sie eine weiterführende berufliche Weichenstellung vornehmen. Nicht selten eröffnet ein intensiv gestaltetes Gapyear neue Perspektiven und Erkenntnisse und kann durchaus auch einen Kurswechsel für den eigenen Lebensweg mit sich bringen. Dies kann wertvolle Impulse liefern für den zukünftigen beruflichen Weg und eine echte Entscheidungshilfe an wesentlichen Weggabelungen bieten.

Das Gapyear sinnvoll gestalten

Eine Auszeit kann sehr guttun und viel neue Schaffenskraft schenken. Außerdem ist ein Gapyear die perfekte Gelegenheit, um die Welt zu bereisen, interessant Kontakte zu knüpfen und neue Kompetenzen oder berufliche Erfahrungen zu erwerben. Diese Gapyear-Modelle machen die Auszeit zu einer echten Bereicherung:

1. Work & Travel

Den Einstieg macht die wahrscheinlich am häufigsten gewählte Form des Gapyear. Mit Work & Travel erhalten junge Menschen die Möglichkeit, die Welt zu bereisen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Da Schüler, Studenten und junge Berufseinsteiger selten die finanziellen Mittel haben, um einfach so die Welt zu bereisen, ist Work & Travel eine günstige Möglichkeit, um auch weit entfernte Flecken der Welt zu erkunden.

Reisende zieht es häufig auf andere Kontinente. Besonders beliebt sind Australien, Neuseeland oder Kanada. Dort gibt es ein breites Angebot an Kurzzeitjobs, mit denen sich der Aufenthalt im Land gut finanzieren lässt. Beim Work & Travel finden Reisende ihr Auskommen als Hilfsarbeiter auf einer Farm oder einem Schiff, als Haushaltshilfen oder auch in der Gastronomie. Oft wird der Arbeitseinsatz zum Beispiel mit Kost und Logis entlohnt. Wertvolle Erfahrungen und vor allem Sprachkenntnisse gibt es inklusive.

2. Internes Praktikum, Auslandspraktikum oder Schnupperstudium

Ein Praktikum oder ein Schnupperstudium sind vor allem für junge Menschen geeignet, die bereits wissen, wohin sie ihr beruflicher Weg führen soll. Im Rahmen eines internen Praktikums oder eines Studiums können sie erste Erfahrungen sammeln, wertvolle Kontakte knüpfen und ihre berufliche Entscheidung auf die Probe stellen.

Sowohl Universitäten als auch Unternehmen sind gerne bereit, Praktikanten oder Studenten aufzunehmen, die im Rahmen eines Gapyears erste Erfahrungen sammeln möchten. Besonders beliebt sind Praktika und Schnupperstudien im Ausland, denn so lässt sich dem Lebenslauf neben hervorragenden Sprachkenntnissen ganz mühelos ein interessanter Auslandsaufenthalt hinzufügen. Interkulturelle Kompetenz gehört inzwischen zu den Schlüsselkompetenzen, die sich Unternehmen von ihren zukünftigen Mitarbeitern wünschen. Ein Auslandspraktikum macht das möglich.

3. Au-Pair und Demi-Pair

Eine ebenfalls klassische Form des Gapyears ist eine Tätigkeit als Au-Pair oder Demi-Pair. Dabei zieht es junge Menschen meist ins Ausland, wo sie in einer Familie mit kleinen Kindern leben und sie bei der Kinderbetreuung und der Haushaltsführung unterstützen. Entlohnt wird diese Tätigkeit durch freie Kost und Logis sowie in den meisten Fällen ein Taschengeld, mit dem die Freizeit im Reiseland gestaltet werden kann.

Wer sich für das Modell des Demi-Pair entscheidet, nimmt zeitgleich auch noch an einem Sprachprogramm teil und lernt so nicht nur Land und Leute kennen, sondern erwirbt auch wertvolle sprachliche Kompetenzen.

4. Freiwilliges soziales Jahr (FJS)

Für ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) gibt es viele Anlaufstellen im In- und Ausland. Vor allem Auslandseinsätze im ökologischen oder sozialen Bereich sind äußerst beliebt. Neben Sprachkenntnissen lassen sich hier wertvolle kulturelle, soziale und ökologische Erfahrungen sammeln. Ein Freiwilliges soziales Jahr ist eine besonders wertvolle und beeindruckende Ergänzung des bisherigen Lebenslaufes.

Wer sein Gapyear vor Antritt eines Studiums oder vor dem Übergang ins Masterstudium einlegen möchte, profitiert besonders von einem freiwilligen sozialen Jahr. Das FSJ gilt im Sinne eines Bildungsjahres als förderungsfähig und wird deshalb sogar als Wartesemester angerechnet. Eine Übersicht über die anerkannten Träger für das freiwillige soziale Jahr bietet der Bundes-Freiwilligendienst.

5. Freiwilliges ökologisches Jahr

Auch ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) ist eine großartige Möglichkeit, um ein Gapyear zu füllen. Hier können sich junge Menschen europaweit in wichtigen Projekten zum Thema Umweltschutz, Naturschutz und Klimaschutz einbringen. Wer die Welt verändern und dabei noch beeindruckende Erfahrungen sammeln möchte, sollte sich diese Option etwas genauer anschauen.

Damit das Engagement in den jeweiligen Projekten für beide Seiten gewinnbringend ist, sollten Teilnehmer über gut Englischkenntnisse verfügen. Außerdem setzen die meisten Organisationen die verpflichtende Teilnahme an Seminaren voraus, die wichtige Kenntnisse und Hintergründe vermitteln. Je nach gewähltem Projekt und dem dahinterstehenden Träger können Teilnehmer am FÖJ verschiedene Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen, um ihren Aufenthalt im jeweiligen Land und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Der Förderverein Ökologische Freiwilligendienste e.V. (FÖF e.V.) fungiert als Dachverband der regional ansässigen Träger und kann als erste Anlaufstelle für Interessenten wertvolle Kontakte vermitteln.

6. Sprachreise

Ein großer Gewinn, der sich aus einem Gapyear erzielen lässt, sind fundierte Kenntnisse in einer oder sogar mehreren Fremdsprachen. Sprachreisen sind deshalb auch eine beliebte Möglichkeit, um die Auszeit zu gestalten. Sie lassen sich häufig auch sehr gut während eines laufenden Studiums in das Curriculum integrieren.

Sprachreisen umfassen meist einen mehrwöchigen oder mehrmonatigen Aufenthalt in einem Land und intensive Sprachkurse, die häufig auch mit einem Zertifikat abgeschlossen werden können. Natürlich können Sprachreisen auch auf eigene Faust organisiert werden. Besonders spannend wird eine Sprachreise, wenn sie auch umfassende kulturelle Aspekt umfasst und neben der Sprache noch weitere interessante Einblicke in Land und Leute gewährt.

Je nach Anbieter können Sprachreisen als Bildungsreisen in gewissem Umfang gefördert oder im Rahmen des Studiums sogar als Leistungsnachweis oder Wartesemester angerechnet werden.

7. Backpacking

Beim Backpacking geht es tatsächlich um eine richtige Auszeit. Wer sich für diese Form des Gapyears entscheidet, packt einfach seinen Rucksack und macht sich auf, um die Welt zu sehen. Kein Praktikum, keine Kurzzeitjobs, kein Sprachkurs, einfach nur Entspannung und Abenteuer. Das bedeutet aber nicht, dass Backpacking keine absolut lohnende Auszeit wäre. Die Zeit, die nicht für Arbeiten oder Lernen aufgewendet werden muss, lässt sich in umfangreiche kulturelle, sprachliche und soziale Erfahrungen investieren. Eine solche Gelegenheiten bietet sich im Leben sicher nicht oft.

Wer in seinem Gapyear einfach nur reisen möchte, benötigt allerdings einiges an Ersparnissen, denn eine Weltreise ist nicht ganz billig. Wer es sich finanziell leisten kann, wird allerdings mit einem reichen Erfahrungsschatz und vielen neuen Eindrücken belohnt, die sich auf dem weitern Lebensweg durchaus bezahlt machen können.

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