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Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Ratgeberbeitrag aus der Kategorie „Lifestyle“.

Studiere nicht mit den Schmuddelkindern!

Veröffentlicht am 06.09.2018Autor: M. Herrmann.

Foto: © pathdoc - 221733757 / Shutterstock.com
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Deutschland verfügt noch immer über ein unfaires Bildungssystem. Das bestätigen auch Zahlen der OECD. Demnach belegt Deutschland mit Platz 21 einen der hinteren Ränge, was die Chancen auf einen sozialen Aufstieg aus einem unteren in ein höheres Milieu anbelangt. Nur 26 Prozent aller sozialschwachen Kinder schaffen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern.

Was sind die Ursachen?

Das hat zum einen damit zu tun, dass Letztere weniger gut darüber informiert sind, welche Chancen ein Studium bietet. Sie schätzen das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Studiums häufiger falsch ein. Informiert man Schüler noch in der Oberstufe über Finanzierungsmöglichkeiten, steigt der Anteil derer, die nach der Schulzeit ein Studium in Betracht ziehen.

Besonders oft tritt dieser Sinneswandel gerade bei Schülern ein, deren Eltern keine akademische Laufbahn eingeschlagen haben. Das zeigt eine Langzeitstudie des DIW Berlin zusammen mit dem WZB, die zwischen 2013 und 2016 durchgeführt wurde.

Zum anderen ist der finanzielle Aspekt für viele ausschlaggebend. Die Eltern wollen oder können ihre studienwilligen Kinder meist nicht im selben Umfang unterstützen, wie es Akademiker-Eltern tun. Da ist eine Ausbildung naheliegend. Sie verspricht in den meisten Fällen sofortige finanzielle Unabhängigkeit. Obwohl BAföG gerade dazu gedacht ist, diese Kluft zu schließen, ist es für viele abschreckend, sich zu verschulden.

Gibt es einen Ausweg?

Es gibt indes eine ganze Reihe an Möglichkeiten, als Student an Geld zu kommen. Neben Stipendien, BAföG und Studentenkrediten gibt es auch noch viele andere, wenn auch weniger bekannte Wege. Da wären private Darlehen, Finanzierungskredite und Despositionskredite. Folgend zeigen wir die Unterschiede zwischen BAföG und klassischen Studentenkrediten.

BAföG

  • Zunächst einmal ist BAföG ein zinsfreies Staatsdarlehen; nur bei Säumigkeit fallen Zinsen an.
  • Beim BAföG bekommt der Empfänger die Hälfte als Zuschuss vom Staat und muss somit nur die andere Hälfte zurückzahlen.
  • Die Staatsdarlehensschuld kann um 20 Prozent reduziert werden, wenn man das Studium überdurchschnittlich gut abschließt.
  • Ferner besteht die Möglichkeit, den zurückzuzahlenden Betrag noch weiter zu reduzieren, indem man die Summe auf einen Schlag begleicht. Bis zu 50 Prozent Nachlass gegenüber der ursprünglich geforderten Summe sind dann möglich. Somit wären knapp 25 Prozent des ursprünglich ausgezahlten Darlehens zurückzuzahlen.
  • Die Rückzahlung erfolgt spätestens fünf Jahre nach der letzten Kreditauszahlung.

Schlimmer noch, wenn der Antrag negativ beschieden wird. Nur 18 Prozent aller Studenten erhalten staatliche Unterstützung, so wenige wie seit den neunziger Jahren nicht. Dann bleibt Studierenden oft nur, einen anderweitigen Kredit zu beantragen: Meist kommen dann klassische Studentenkredite infrage.

Klassische Studentenkredite

  • Sie haben oft viel niedrigere Zinsen als zum Beispiel Kredite für Selbstständige. Bei einem Nettokreditbetrag von bis zu 50.000 Euro und einer Laufzeit von 84 Monaten gäbe es bei einem Vergleich derzeit einen Kredit mit einem Zinssatz ab 1,68 Prozent mit einer monatlichen Rate von 631.28 Euro. Durchschnittlich sind 3,06 Prozent Zinsen Vertragsbedingung.
  • Dafür sind die Hürden bei einem klassischen Studentenkredit sehr hoch. Entweder sind gute Sicherheiten oder ein Bürge Voraussetzung für eine Auszahlung.
  • Die Rückzahlungsmodalitäten, wie zum Beispiel Höhe der Tilgungsrate und der Zeitpunkt der Fälligkeit, werden individualvertraglich vereinbart.

Daneben gibt es noch die Möglichkeit, einen Förderkredit mit besonders niedrigen Zinssätzen zu beantragen. Bekannte Anbieter für Studentenkredite sind neben der KfW Bank unter anderem die Deutsche Bank mit ihrem DB-Studienkredit. Aber auch einige Universitäten bieten eingeschriebenen Studienkredite mit günstigen Konditionen.

Am Ende muss jeder für sich selbst die beste Möglichkeit finden, wie er sich den Wunsch nach einem Studium erfüllen kann. In Zeiten extrem niedriger Zinsen sollte die Finanzierung nicht die größte Hürde darstellen. Die Entscheidung über die berufliche Zukunft ist sehr wichtig und es lohnt sich, vorher alle Möglichkeiten zur Finanzierung zu sondieren.

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