Geschichtlicher Überblick

TUSCULUM Außenansicht

Außenansicht TUSCULUM

Die Villa „Tusculum“ wurde 1893 im Auftrag des Dresdner Malers Ernst Oskar Simonson-Castelli im spät-klassizistischen Stil im Dorf Strehlen gebaut. Der Name verweist auf die südlich von Rom gelegene Stadt TUSCULUM, in der in der Zeit der späten römischen Republik viele Römer ihre Villen hatten. Darunter auch Cicero, der sich in seinem Landsitz „Tusculanum“ vom römischen Alltag erholte.

Bis 1945 wurde das Gebäude durchgängig bewohnt, dann zog hier die Malschule von Prof. F. L. Hennig ein. 1947 erfolgten erste, nur geringfügige, bauliche Veränderungen. 1949-51 wurden im Rahmen der Umnutzung des Hauses zur HO Gaststätte starke bauliche Veränderungen vorgenommen, u. a. wurde der Gartensaal mit der Rotunde und ein Ladenanbau auf Straßenniveau (heute Club Wu5) errichtet. 1964 zog der Klub der Intelligenz „Viktor Klemperer“ ein. 1976 wurde das Tusculum als Offizierskasino und Verkaufseinrichtung der NVA umfangreich umgebaut. Es wurden ein neuer WC- und Küchentrakt auf der Gebäuderückseite angebaut, der Lichthof im Foyer durch eine Zwischendecke verschlossen und eine Lüftungsanlage installiert. Dadurch wurde viel alte Bausubstanz, insbesondere Stuckwerk an Wänden und Decken, zerstört.

1994 übernahm das Studentenwerk Dresden das TUSCULUM, um die Tradition der „Studentenhäuser“ neu zu beleben, denn in der Dresdner Mommsenstraße war 1925 eines der ersten deutschen Studentenhäuser überhaupt eröffnet worden. Im Studentenhaus TUSCULUM sollten von Anfang an Möglichkeiten für die Studenten geschaffen werden, selbst auf kulturellem Gebiet aktiv zu werden, wobei weniger Kunst- und Kulturkonsum als vielmehr eigene studentische Aktivitäten und Aktionen im Vordergrund standen und stehen.

Bedeutung des Namens TUSCULUM

Logo Studentenhaus TUSCULUM

TUSCULUM hieß eine alte Stadt in Latium, nicht weit von Rom auf den westlichen Ausläufern der Albanerberge gelegen.

Ihre Überreste findet man in der idyllischen Landschaft um das heutige Frascati: Bruchstücke der Stadtmauer, Tempelruinen, die Sitzreihen eines Theaters.

Der Name weist vielleicht auf die Herrschaft der Etrusker zurück: jedenfalls stellte die antike Überlieferung diesen Zusammenhang her (Tusci hießen die Etrusker).

Wohl bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. erhielten die Einwohner der Stadt das römische Bürgerrecht. Bedeutende Familien stammten von hier: etwa die des Marcus Porcius Cato Censorius (234 - 149 v.Chr.), als Mensch und Politiker bekannt für seine altrömische Sittenstrenge, als Schriftsteller früher Exponent einer bewusst national orientierten Literatur.

Seit spätrepublikanischer Zeit wurden in TUSCULUM zahlreiche Villen reicher Römer angelegt: über 130 sind bisher lokalisiert worden. Eine von ihnen gehörte Marcus Tullius Cicero, der sie im Jahre 68 v.Chr., als er bereits ein gefeierter Redner war und im Begriff stand, sich auch in der Politik einen Namen zu machen, als Refugium und private Bildungsstätte erworben hatte.

Die großzügige Anlage umfasste auch ein "Lyceum" und eine "Akademie", so benannt nach den Orten, an denen in Athen Aristoteles und Platon gelehrt hatten. Hier auf seinem "Tusculanum" siedelt Cicero die philosophischen Gespräche an, die er unter dem Titel "tusculanae disputationes" im Herbst des Jahres 45 v.Chr. zu literarischer Darstellung bringt.

Das dem Freunde Marcus Iunius Brutus, dem späteren Caesarmörder, gewidmete Werk behandelt in fünf Büchern Fragen der praktischen Ethik: Die Überwindung der Todesfurcht, das Ertragen des Schmerzes, die Linderung des Kummers, die Freiheit von Leidenschaften, die Autarkie der sittlichen Vollkommenheit für das glückliche Leben.

Wenn Cicero im letzten Buch die Philosophie als einen Hafen preist, in dem der von Schicksalsschlägen Heimgesuchte Zuflucht findet, wird verständlich, wie sehr ihm sein Tusculanum als Stätte geistiger Begegnung ans Herz gewachsen war.

Sanierung des Hauses durch das Studentenwerk Dresden

Seit 1994 wurden umfangreiche Baumaßnahmen zur Erhaltung des Gebäudes, Wiederherstellung der historischen Bausubstanz und Anpassung an die veränderte Nutzung vorgenommen. So wurden im Erdgeschoss zeitweise eine Essensausgabestelle eingerichtet, Elektrik, Heizung und Belüftung teilweise erneuert, Fenster ausgetauscht, das Dachgeschoss mit Proberäumen ausgestattet und zahlreiche andere Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt. Bis heute investierte das Studentenwerk Dresden über eine Million Euro in das Studentenhaus TUSCULUM.

Eröffnung des Studentenclubs Wu5.ev im TUSCULUM

Eröffnungsfeier Wu5

2012 fand der Studentenclub Wu5 e.V. nach Umbauten für über 400.000 € im TUSCULUM ein neues Heim. 2012/13 wurde der Sanitärbereich im Erdgeschoss teilweise erneuert; ein Eingang zur Gartenseite entstand. 2014 wurden umfangreiche Maler- und Parkettarbeiten im Erdgeschoss durchgeführt.

Ausblick

Im Jahr 2016 beginnen im Keller Umbauarbeiten zur Errichtung von zwei Bandprobenräumen.

Wichtige Projekte für die Zukunft sind die Erneuerung des Daches und die Wiederherstellung des historischen Lichthofs. Dafür sind weitere umfangreiche Investitionen notwendig.