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Warum dauert es oft lange, bis der BAföG-Bescheid kommt?

Veröffentlicht am Freitag, 6.1.2023

Diese Frage beschäftigt derzeit viele Studierenden, die einen BAföG-Antrag gestellt haben und noch immer auf ihren Bescheid warten.
 
In einer aktuellen Interview mit dem Generalsekretär des Deutschen Studierendenwerks (DSW), Matthias Anbuhl, sind dazu viele wichtige Gründe aufgezeigt worden: „...Das BAföG wird im Auftrag des Bundes von den 16 Bundesländern ausgeführt. Das jeweilige Bundesland gibt den BAföG-Ämtern der Studierendenwerken Vorgaben, z. B. zur IT-Ausstattung, der Personalbemessung , die natürlich Einfluss auf die Bearbeitungszeiten haben. Das können die BAföG-Ämter der Studierenden- und Studentenwerke nicht beeinflussen. Wie lange die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter der BAföG-Ämter für einen Antrag benötigen, hängt zudem von weiteren Faktoren ab, unter anderem davon, ob die antragstellenden Studierenden alle notwendigen Unterlagen bzw. Nachweise mit ihrem Antrag mit eingereicht haben. Oder auch davon, wie komplex die Familien-Konstellation der oder des Studierenden ist: Gibt es studierende Geschwister? In welchem Verhältnis stehen die Eltern zueinander?
Oft gehen Anträge unvollständig ein und die BAföG-Ämter der Studierendenwerke nachfragen mussten; das kostete viel Zeit. "
 
Welche Gründe gibt es für die Länge der Bearbeitungsdauer und mit welchen Problemen kämpft die Bearbeitungsstelle aktuell?
DSW: „...Was den BAföG-Ämtern der Studierendenwerke die Bearbeitung der BAföG-Anträge seit Wochen am meisten erschwert, ist die unvollständige bzw. nur für einen Teil des Prozesses realisierte, unzureichende Digitalisierung: Es wurde, über das Online-Portal „BAföG digital“ zwar die Antragstellung digitalisiert – die danach folgenden Prozesse aber nicht! Es gibt keine e-Akte. Die BAföG-Ämter der Studierendenwerke müssen die online eingereichten BAföG-Anträge der Studierenden einzeln ausdrucken. Die Drucklast in den BAföG-Ämtern ist so hoch, dass dafür eigens zusätzliches Personal eingestellt werden muss – nochmal: um digitale Anträge auszudrucken. Das ist Digitalisierung ad absurdum! 
 
Was die Arbeitsbelastung der BAföG-Ämter weiter erhöhte und damit auch die Bearbeitungsdauer der BAföG-Anträge potenziell verlängert, sind:
•    zusätzliche Aufgaben, wie aktuell der erste und der zweite Heizkostenzuschuss für BAföG-geförderte Studierende
•    Weiterbildungen und Schulungen zu den Neuerungen beim BAföG für die BAföG-Sachbearbeiter/-innen der Studenten- und Studierendenwerke 
•    Es herrscht – wie in anderen Bereichen auch – in den BAföG-Ämtern ein erheblicher Fachkräftemangel, der eine Nachbesetzung von Stellen stark erschwert
·      hoher Krankenstand bei den Mitarbeiter/innen der BAföG-Ämter
·      in einigen Studierendenwerken: ein Plus an Anträgen – eigentlich erfreulich, dass wieder mehr Studierende BAföG beantragen, aber eben auch: Mehrarbeit. Noch weitere Aufgaben können die BAföG-Ämter nicht mehr übernehmen.
•    Nicht zu unterschätzen: Das BAföG stammt aus einer Zeit, wo Standard-Familien Mutter-Vater-Kinder eher die Regel waren. Heute sind Patchwork-Familien die Regel. Das ist keine Kritik am sozialen Wandel, aber die Folge in den BAföG-Ämtern ist eine neue Dimension von Komplexität.“ 
 
Was wird in den Studenten- und Studierendenwerken unternommen, um die Bearbeitungsdauer von BAföG-Anträgen zu verkürzen? 
DSW: „Die Studierendenwerke können die Rahmenbedingungen, wie das BAföG konkret umgesetzt wird, kaum beeinflussen. Was möglich ist, wird getan: Sie verteilen die Arbeitsbelastung innerhalb eines BAföG-Amts so gleichmäßig wie möglich, organisieren regelmäßige Schulungen für die BAföG-Sachbearbeiter/-innen – und legen Wert auf Gesundheitsvorsorge und Resilienz. Dass aber digital eingereichte Anträge mühselig ausgedruckt werden müssen, mit Tonnen von Papier, ist eine enorme Belastung für die Mitarbeitenden in den BAföG-Ämtern!“