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Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Ratgeberbeitrag aus der Kategorie „Karriere & Bildung“.

Nebenjobs verlängern das Studium: Überwiegen die Vorteile trotzdem?

Veröffentlicht am 31.07.2019Autor: D. Korkut

Studentenjobs können ganz unterschiedlich ausfallen. Vom Kellner über den Taxifahrer bis hin zum Aushilfsmechaniker ist vieles möglich. Foto: © Tim Mossholder / Unsplash.com
Studentenjobs können ganz unterschiedlich ausfallen. Vom Kellner über den Taxifahrer bis hin zum Aushilfsmechaniker ist vieles möglich. Foto: © Tim Mossholder / Unsplash.com

Sehr viele Studenten können nicht auf ein finanziell gut gestelltes Elternhaus zurückblicken und somit auf eine Studienzeit, die rein aus Studieren und Freizeit besteht. Die meisten Studierenden sind heute früher oder später dazu gezwungen, einen Nebenjob anzunehmen. Und das kann problematisch sein, denn wer arbeitet, der kann zeitgleich nicht lernen. Somit verlängert sich das Studium durchaus um einige Semester. Aber überwiegen die Vorteile des Nebenjobs trotzdem oder lohnt es sich, nach anderen Finanzquellen zu suchen?

Dauer des Studiums verlängert sich

Die Robert-Half-Studie offenbart, was vielen Studierenden schon längst bewusst ist: Wer nebenbei arbeitet, der benötigt länger. Gleichzeitig zeigt sie aber auch auf, dass sich die Abschlussnote in den meisten Fällen nicht oder nur minimal verschlechtert. Allgemein gilt laut Studie, dass 10 Prozent des Studiums mit einem Nebenjob einen Monat verlängerte Studiendauer bedeuten. Aber woher kommt das? Ein Überblick:

  • Fehlende Zeit - wer arbeitet, der hat schlichtweg weniger Zeit zum Lernen. Schon Nebenjobs mit knapp 10 Wochenstunden bedeuten weit mehr als zehn Stunden weniger Lernzeit, da nun mal auch die An- und Abfahrt zum Job eingerechnet werden müssen.
  • Fehlende Erholung – zugleich ist Arbeiten anstrengend und erfordert Erholung. Studierende müssen sich nach einem Arbeitstag also entscheiden, ob sie nun zu Bett gehen oder doch die Bücher aufschlagen.
  • Fehlende Semesterferien – die meisten Studierenden legen ihren Nebenjob nicht nieder, wenn die Semesterferien eingeläutet werden. Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass etwaiges Lernen wieder in die Freizeit fällt und somit die Erholung nicht in dem Maße erreicht werden kann, wie ganz ohne Job.

Grundsätzlich kommt es natürlich auf den Nebenjob an sich an. Wer beispielsweise als Nachtwächter irgendwo arbeitet und jede Stunde einmal einen kurzen Rundgang machen muss, der kann die Zwischenzeit meist zum Lernen nutzen. Ebenso bleibt einem Studierenden die meiste Lernzeit erhalten, wenn er beispielsweise nur alle zwei Wochen als Ordner beim heimischen Fußballklub arbeitet. Ein Kellner, Aushilfen in Cafés oder Nebenjobber im Call Center kann während der Arbeitszeit gar nicht lernen und muss sich nach der Schicht eher erholen, als dass er sich mit Unterlagen an den Tisch setzen kann.

Welche Vorteile bringt ein Nebenjob?

Trotzdem hat der Nebenjob während des Studiums gravierende Vorteile. Zuerst bietet er schlichtweg die Möglichkeit, auf eigenen Beinen zu stehen. Zudem gilt:

  • Schuldenfrei – Kredite und Darlehen müssen zurückgezahlt werden. Ein Student startet also nach einem Studium mit Darlehen statt Nebenjob mit Schulden ins eigentliche Berufsleben. Sicherlich sind die Rückzahlungen sehr studentenfreundlich, dennoch steht am Start ein Minuszeichen vor den Finanzen.
  • Berufserfahrung – die wenigstens Nebenjobs sind grandios, das weiß jeder. Doch können sich Studierende dennoch beweisen, denn wer es durchhält, beispielsweise ständig im Call Center zu arbeiten oder auch den Kundenverkehr im Café zu managen, so ist dies ein Lerneffekt, der das ganze Leben anhält.
  • Vorerfahrung – zugleich gibt es natürlich Nebenjobs, die bereits mit dem gewählten Studiengang einhergehen. Nun können Studierende echte Erfahrungen sammeln und erste Pluspunkte für den Lebenslauf erhalten.
  • Finanzielle Erfahrung – sie mag für den Beruf unerheblich sein, doch ist sie fürs Leben unabdingbar. Ein Student, der direkt sein Geld selbst verdient, lernen muss, mit seinen Finanzen hauszuhalten und ordentlich zu planen, der ist für das Leben gewappnet. Zumal geraten diese Personen seltener in die Schuldenfalle, da sie den Wert des erarbeiteten Geldes sehr gut kennen.

Letztendlich sieht es in den meisten Lebensläufen besser aus, wenn ein Student nicht nur »Studium« nach der Schulbildung angibt, sondern einen oder mehrere Nebenjobs vorweisen kann. Solche Lebensläufe wirken einfach so, als ob der Bewerber wirklich etwas leisten möchte und sich auch nicht zu schade ist, ungeliebte Arbeiten zu übernehmen. Es hat einen Grund, weshalb etliche Studierende auch mal in die Produktion gehen, selbst wenn diese Seite der Arbeitswelt absolut das Gegenteil von dem ist, was eigentlich studiert wird.

Welche Alternativen gibt es?

Natürlich gibt es auch Alternativen. Der Staat fördert die Erstausbildung und das Studium, beispielsweise mit BAföG und den Kfw-Krediten. Und auch sonst gibt es etliche Studienkredite. Je nach Anbieter kommt es aber darauf an:

  • Einkommen Elternhaus – gerade die staatlichen Förderungen hängen markant von den Finanzen des Elternhauses ab. BAföG wird beispielsweise nur gewährt, wenn das Einkommen der Eltern unter einem bestimmten Niveau liegt.
  • Höhe – bei den staatlichen Förderungen richtet sie sich nach dem Einkommen und dem Bedarf. In der Regel darf bis zu einem gewissen Punkt hinzuverdient werden.
  • Rückzahlung – sie wird bei den staatlichen Förderungen nicht nur kulant gehandhabt, sondern auch gekürzt. In der Regel muss nicht die gesamte Summe zurückgezahlt werden.

Anders kann es bei privaten Angeboten aussehen. Auch hier gibt es interessante Modelle, bei denen Studierende mitunter sogar selbst entscheiden können, wie viel Geld sie monatlich ausgezahlt bekommen. Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang ist das Angebot von Bon-Kredit.de. Oftmals sind die Darlehen auch nicht an das elterliche Einkommen oder an Nebenjobs gekoppelt. Studierende sollten die Angebote jedoch genau miteinander vergleichen. Übrigens sind auch Koppelungen mit staatlichen Hilfen möglich.

Trotzdem bleibt bei allen Alternativen ein Manko bestehen: der Student hat nach dem Abschluss Schulden. Ob diese nun komplett getilgt werden müssen, nur teilweise oder in welchem Zeitraum, das ist unerheblich. Fakt ist, Studierende starten nicht unbeschwert ins Arbeitsleben, sondern müssen zumindest einen Teil des Kredits vom Arbeitseinkommen zurückbezahlen. Und da die Einkommen mittlerweile auch bei Akademikern nicht mehr garantiert hoch ausfallen, kann das wiederum bedeuten, dass für die Rückzahlung ein Nebenjob notwendig ist.

Fazit – den eigenen Weg finden

Ob dieser nun über Nebenjobs oder über Kredite geht, das kann nur jeder für sich entscheiden. Nebenjobs während des Studiums haben durchaus Vorteile und werden ohnehin oft genug mit staatlichen Förderungen oder anderen Darlehen gekoppelt. Im Lebenslauf macht es sich besser, wenn ein Student schon Arbeitserfahrung und somit Durchhaltevermögen vorweisen kann, zumal er wenigstens die Kredithöhe durch das Arbeiten minimieren kann. Wer sich voll und ganz auf das Darlehen oder Ausbildungsförderungen verlässt, dem muss bewusst sein, dass der Start ins Berufsleben schon mit Schulden einhergeht.

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