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Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Ratgeberbeitrag aus der Kategorie „Karriere & Bildung“.

Ist Nachhilfeunterricht wirklich ein passender Studentenjob?

Veröffentlicht am 12.08.2019Autor: D. Korkut

Foto: © StockSnap @ pixabay.com
Foto: © StockSnap @ pixabay.com

In der Freizeit Nachhilfe geben oder in der vorlesungsfreien Zeit als Nachhilfelehrer in Vollzeit zu jobben ist wohl eine der verbreiteten Nebenjobs für Studenten. Auf den ersten Blick scheint das eine ideale Nebenbeschäftigung zu sein. Denn: Als Nachhilfelehrer sprichst und lehrst du Inhalte und Themen, die tagtäglich im Studium relevant sind und mit denen du dich richtig auskennst. Noch besser: Die Zeiteinteilung ist flexibel und kann deinem Unialltag und Vorlesungsrhythmus angepasst werden. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Bevor Du dich entscheidest, Tutor oder Tutorin zu werden, solltest Du dir der Vor- und Nachteile bewusst sein, die dieser Job mit sich bringt.

Die besten Vorteile des Nachhilfeunterrichts:

  1. Keine Lust auf einen 9-to-5 Job? Mit Nachhilfe kein Problem - Du legst Deine Arbeitszeiten selbst fest, ganz nach deinen Vorlieben und Stundenplan.
  2. Der tatsächliche Arbeitsplatz ist flexibel: Du magst ein Café in Campusnähe, das du nach deiner Vorlesung schnell erreichen kannst? Dann halte den Unterricht einfach dort ab: im Lieblingscafé, zuhause oder per Skype.
  3. Du kannst selbstständig arbeiten und dir über Nachhilfeplattformen selbst Schüler suchen oder dich als Nachhilfelehrer in einer Nachhilfeschule vor Ort bewerben.
  4. Steigen deine Erfahrungen als Lehrer und die Zahl deiner Referenzen, kannst du einen höheren Stundenlohn verlangen.
  5. Du wirst viele interessante Menschen kennen lernen.
  6. Bei der Nachhilfe lernst du auch etwas für dich: Du lernst und verbesserst deine Soft Skills. Das ist wichtig für Studium und in der heutigen Arbeitswelt – vor allen für deinen späteren Beruf.
  7. Du beschäftigst Dich intensiv mit einer Thematik, die für dein Studium wichtig ist und dich interessiert.
  8. Die Arbeitserfahrung als Nachhilfelehrer ist perfekt für den Lebenslauf, da viele Unternehmen diese zusätzlichen Aktivitäten besonders schätzen, da sie auf Kenntnisse und Fähigkeiten in einem Fachbereich schließen.
  9. Nachhilfe geben besteht nicht nur aus Hilfe bei den Hausaufgaben und kann man nicht nur Schülern aus Gymnasium und Mittelschule geben: Solltest du schon in einem höheren Semester sein, dann kannst du den neuen Erstsemestern in einer schwierigen Vorlesung helfen. Du sorgst also dafür, dass du selbst einige grundlegende Inhalte nicht vergisst.
  10. Der Pool an potentiellen Nachhilfeschülern ist quasi unerschöpflich – mit online Nachhilfe. Wenn du Nachhilfe auch per Skype oder Hangouts anbietest, kannst du anderen nicht nur vor Ort, sondern aus ganz Deutschland (und der Welt) helfen.

Und ein paar Nachteile:

  1. Deine Zielgruppe besteht aus anderen Studenten? Dann ist gutes Verhandlungsgeschick gefragt. Du solltest in der Lage sein, dich selbst und deine Expertise zu verkaufen, damit höhere Stundenlöhne auf gerechtfertigt sind. Denn auch andere Studenten sind knapp bei Kasse.
  2. Selbst wenn du dich jeden Tag im Studium mit der Materie beschäftigst – auf eine Nachhilfestunde musst du dich dennoch gründlich vorbereiten. Du kannst nichts dem Zufall überlassen. Auch wenn Du dich mit dem Thema gut auskennst, können immer komplexe Fragestellungen auftreten.
  3. Bluffen und Improvisieren hilft nicht: Dein Schüler wird über kurz oder lang merken, wenn Dir das Wissen oder die Erfahrung fehlt. Das schadet deiner Reputation und du wirst dich schwertun, neue Nachhilfeschüler zu finden.
  4. Mit Menschen zu arbeiten erfordert oftmals Geduld und Empathie: Deine Schüler haben vielleicht keine Lust, einen schlechten Tag oder die Eltern haben die Nachhilfestunde angeordnet. Da kommt es schnell zu Konflikten. Wer die Erwartungen und Ziele des Nachhilfeunterrichts oder an die Nachhilfestunde nicht im Vorhinein klar miteinander bespricht und festlegt, wird später auf Probleme stoßen.
  5. Nachhilfestunden sind kein festes Einkommen: Vor allem im Sommer werden die Nachhilfestunden oft kurzfristig abgesagt oder verschoben. Du kannst also nicht immer mit dem gleichen Nebeneinkommen in jedem Monat rechnen.
  6. Sobald Deine Reputation durch schlechte Vorbereitung oder unstrukturierten Unterricht ruiniert ist, wirst du kaum neue Nachhilfeschüler finden und sehr lange brauchen, um deinen Ruf wiederherzustellen.
  7. In vielen Fällen sind es die Eltern, die Nachhilfe für ihre Kinder suchen. Deshalb sind die Kinder auch nicht motiviert sich in der Nachhilfestunde anzustrengen oder mitzulernen. Du wirst sehr viel Arbeit und Geduld in diese Art Nachhilfe stecken müssen.

Nachhilfelehrer zu sein kann ein toller Job sein. Wenn Du dich nicht entscheiden kannst, ob es auch für dich der richtige Weg ist, dann fang klein an: Unterrichte Deine Freunde oder jemanden aus der Familie. So findest du heraus, ob es Nachhilfe ein geeigneter Job für Dich ist.

Nachhilfe muss auch nicht immer unter Studierenden ablaufen oder mit Schülern aus der Schule: Verbinde doch das Praktische mit etwas Gutem und helfe Kindern aus benachteiligten Familien oder aus Pflegeheimen. Wenn du nicht mit Kindern kannst – auch in der Seniorenpflege oder im Altenheim werden oft Nachhilfelehrer gesucht, die fitten Senioren neue Sprachen beibringen. So kannst du mit Deinem Wissen und Fähigkeiten deinen Beitrag für die Allgemeinheit tun!

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