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Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Ratgeberbeitrag aus der Kategorie „Finanzen & Versicherungen“.

Die steuerlichen Absetzungsmöglichkeiten von Studenten

Veröffentlicht am 25.01.2021Autor: M. Herrmann

Foto: Thorben Wengert  / pixelio.de
Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

Gleichwohl Studenten im Regelfall nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, sollte diese Möglichkeit in Erwägung gezogen werden, da ein Großteil der entstehenden Kosten geltend gemacht werden kann und hohe Erstattungen die Folge sein können.

Die Wirkung des Grundfreibetrages

Ausgaben wie Arbeitsmittel, Bücher und Fahrtkosten fallen neben der Miete häufig an und können oftmals nicht ausschließlich mit BAföG sowie familiärer Unterstützung gedeckt werden. Durchaus stellen Studien- und Bildungskredite eine Finanzierungsmöglichkeit dar, doch bevorzugen Studenten regelmäßig einen Nebenjob, um keine langfristigen Verbindlichkeiten eingehen zu müssen. Mit der Aufnahme der Tätigkeit geht häufig die Sorge einher, dass eine Einkommensteuerpflicht entstehen könnte, die die Einnahmen erheblich reduziert. Eine Steuerpflicht ist allerdings erst dann zu bejahen, wenn die Gesamteinnahmen den sogenannten Grundfreibetrag übersteigen. Bei Ledigen beträgt dieser für das Steuerjahr 2020 9.408 Euro. Da BAföG als Ausbildungsbeihilfe der Finanzierung des Lebensunterhalts dient, muss dieses Einkommen bei der Steuererklärung nicht angegeben werden.

Absetzbare Ausgaben und Regelungen bei einem Erststudium

Grundsätzlich sind sämtliche Kosten, die im Zusammenhang mit dem Studium stehen, für eine Steuererklärung relevant. Hierzu zählen Semestergebühren, Prüfungsgebühren, Arbeitsmittel, die Miete im Rahmen eines doppelten Haushalts, Porto und Verpflegungsmehraufwendungen. Aus diesem Grunde sollten Belege stets gesammelt und aufbewahrt werden. Was Studenten von der Steuer absetzen können und in welcher Höhe, ist mitunter von der Frage abhängig, ob es sich um eine erste Ausbildung oder eine Fort- bzw. Weiterbildung handelt. Studenten im Erststudium können die Kosten als Sonderausgaben bis zu einer Höhe von 6.000 € absetzen. Es können nur die Aufwendungen abgesetzt werden, die in dem jeweiligen Steuerjahr entstanden sind. Das Bachelor-Studium ist der typischste und häufigste Fall eines Erststudiums.

Die Behandlung als Werbungskosten bei einer Fort- oder Weiterbildung

Studenten im Master, in dualen Studiengängen, im MBA-Studium oder in der Promotion können die Kosten für das Studium in voller Höhe als Werbungskosten absetzen. Gleiches gilt für Personen, die vor dem Bachelor eine berufliche Ausbildung abgeschlossen haben. Diese Personengruppen fallen unter die steuerlichen Regelungen zu Fort- und Weiterbildungen und können einen Verlustvortrag geltend machen. Der Verlustvortrag kommt insbesondere dann zum Zuge, wenn keine oder nur geringe Einnahmen durch nichtselbständige Tätigkeiten generiert werden. Mit diesem steuerlichen Instrument können die finanziellen Aufwendungen bzw. Verluste, die im Zusammenhang mit dem Studium stehen, in die nächsten Jahre übertragen werden. Die vorgetragenen Werbungskosten können dann bei einem ersten Job mit den in dem Steuerjahr entstandenen Einkünften verrechnet werden und führen dann zur Steuererstattung.

Die gerichtliche Begründung zur unterschiedlichen Handhabung

Das Bundesverfassungsgericht prüfte im Jahre 2019, ob die ungleiche steuerliche Behandlung von Studenten im Erst- und Zweitstudium verfassungskonform ist. Mit Beschluss vom 19.11.2019 kam das höchste unabhängige Verfassungsorgan der Justiz letztendlich zu dem Ergebnis, dass die Regelungen zur steuerlichen Behandlung von Erstausbildungskosten mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Die Entscheidung wurde unter anderem damit begründet, dass das Erststudium oder die Erstausbildung direkt nach dem Schulabschluss nicht nur Berufswissen vermittelt, sondern die Person in einem umfassenderen Sinne prägt und allgemeine Kompetenzen verleiht, die nicht zwingend für einen künftigen konkreten Beruf erforderlich sind. Es sei eine besondere Nähe zur Persönlichkeitsentwicklung festzustellen. Ob nun in einem Erst- oder Zweitstudium, die Inanspruchnahme einer steuerlichen Beratung durch einen Lohnsteuerhilfevereins ist ratsam. Auf diesem Wege kann gewährleistet werden, dass die individuellen Besonderheiten in vollem Umfang berücksichtigt werden und zustehende Erstattungen zur Auszahlung kommen.

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