Dresden is not enough

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 2/2012, gültig vom 06.02.2012 bis 04.03.2012.

Hinweis: Die Angaben in diesem Artikel sind möglicherweise nicht mehr aktuell
Dieser Artikel stammt aus einer älteren SPIEGEL-EI-Ausgabe. Bitte beachten Sie, dass sich Informationen z.B. zu Öffnungzeiten oder Ansprechpartnern in der Zwischenzeit geändert haben können.

Von 15.08. bis 15.09.2011 machten sich 15 MasterstudentInnen der Evangelischen Hochschule Dresden auf nach Südafrika. Hier ein Bericht:

Grund der Reise war ein verpflichtendes vier- bis bis sechswöchige Auslandspraktikum im Rahmen unseres Studiums, das den fachlichen und kulturellen Austausch zum Ziel hat. Wir berichteten vor Ort von unseren Praxisprojekten in Deutschland. Natürlich wäre es wunderbar, wenn auch südafrikanische StudentInnen und SozialarbeiterInnen nach Deutschland kommen könnten, aber das scheiterte bisher an der Finanzierung. Wir verbrachten jeweils anderthalb Wochen in Johannesburg und Kapstadt, die letzte Woche war der individuellen Reise durchs Land vorbehalten. Da auf der Südhalbkugel Winter herrschte, kam uns das Wetter wie im deutschen Frühling vor.

Zu Gast im Y-Center in Orange Farm
Zu Gast im Y-Center in Orange Farm
In Johannesburg lernten wir insbesondere "Love Life" kennen, eines der größten Anti-Aids-Projekte des Landes mit einer großen Vielfalt an Angeboten: einer Art Freiwilligendienst, zahlreichen Jugendzentren in den Townships und auf dem Land, einem Pflege-Großmütterprogramm, einem Telefonberatungsdienst sowie diversen Medienkampagnen, wie z. B. einer eigenen Reality-Soap. Bei all diesen Kampagnen geht es um die Steigerung des Selbstbewusstseins junger Menschen, denn das sei "...fast wichtiger als die Vermittlung von Informationen" so die Auskunft der Spezialisten vor Ort. Wir besuchten auch ein Hospiz für TBC- und Aids-Kranke, das Straßenkinderheim "Kids Haven" und ein Pflegefamilienprojekt "St. Peters Child Care". In jedem der Projekte fanden Gespräche statt, es gab einen praktischen Teil und manchmal durften wir auch direkt mit den KlientInnen arbeiten.
Die Theorie gehört auch zur Praxis...
Die Theorie gehört auch zur Praxis...
In Kapstadt lernen wir iThemba Labantu kennen: ein Community Center mitten im Township Philippi, das neben Arbeitsprojekten für Aids-Kranke, einer Krankenstation, einem Ausbildungszentrum für Solartechnik und Automechanik auch Theater- und Bildungsangebote und Nachhilfe für Kinder und Jugendliche aus dem Township anbietet. Wir lernten Pfarrer Michael Lapsley vom Institute for Healing of Memories und seine Anti-Trauma-Arbeit kennen. "iThemba Labantu" heißt "Hoffnung für die Menschen". Dazu gibt es auch einen deutschen Unterstützungsverein, da die Initiative vom Berliner Missionswerk mitgegründet wurde.
Sportliche Spiele mit den Kindern von iThemba Labantu
Sportliche Spiele mit den Kindern von iThemba Labantu
Man kann natürlich nicht in Kapstadt sein, ohne eine Tour nach Robben Island, auf den Tafelberg und ins Hafenviertel zu machen. Insgesamt fanden wir alle unseren Aufenthalt sehr bereichernd, weil wir neben fachlichen Methoden und Perspektiven auch den südafrikanischen Lebensalltag kennenlernen durften. Beeindruckend war für uns, dass die unterschiedlichen Hautfarben immer noch und in allen gesellschaftlichen Bereichen eine Rolle spielen. Bewegend war es für mich, den starken Optimismus der Menschen trotz oder gerade wegen der Perspektivlosigkeit zu erleben.

Christina Ponader

Zurück zur Übersicht der SPIEGEL-EI-Ausgabe 2/2012