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Mensa Talk am 22.06.05. mit Gunda Röstel, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 15/2005, gültig vom 18.07.2005 bis 31.07.2005.

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Frau Röstel kommt, man möchte fast sagen „fliegt ein“, setzt sich und legt los. Moderator Mario Thiel hat zu tun, dem Hochgeschwindigkeitstempo von Frau Röstel zu folgen. Fast ungeduldig hört sie zu, wie die bisherigen Stationen ihrer Karriere als Politikerin und Unternehmerin aufgezählt werden: aufgewachsen in Hohenstein-Ernstthal, Studium der Sonderpädagogik, nach dem Studium Arbeit in Flöha, einer Stadt von 12.000 Einwohner am Fuße der Augustusburg. Ende der Achtziger Jahre ein Ausreiseantrag, der durch den Mauerfall hinfällig wird. Zitat „...durch die Wende habe ich die Freiheit zur Gestaltung meines Lebens bekommen, die ich mir gewünscht habe.“

Sie wird Anfang der Neunziger 28-jährig zur Schuldirektorin gewählt (!), und Frau Röstel würde es auch heute noch manchem Direktor wünschen, so viel Rückhalt bei den Eltern zu finden. Durch ihr Engagement im Neuen Forum kommt Sie zu Bündnis 90/ Die Grünen, steigt schnell auf in den „Inneren Kreis“ der Grünen Bundespolitik. Sie wird Vorstandssprecherin und sagt über die Zeit als aktive Politikerin: „Machtansprüche erfüllen sich eher in einer Partei als in der Bürgerbewegung, aber die Grünen nehmen schon unter den etablierten Parteien einen Sonderstatus ein jenseits vom „Strickpullover und Sandalen-Image“, das sich seit 20 Jahren hartnäckig hält“.

Nach ihrer Zeit in der Bundespolitik suchte sie eine neue Herausforderung und fand sie bei der Gelsenwasser AG, für die sie als Prokuristin Akquise in ganz Ostdeutschland macht, zudem ist sie Geschäftsführerin der Dresdner Stadtentwässerung, gemeinsam mit Johannes Pohl – also wieder eine „Doppelspitze“.

Gunda Röstel versteht es, Menschen zu überzeugen, zu begeistern, weshalb es eigentlich schade ist, dass sie nicht mehr aktiv in der Grünen-Politik tätig ist, aber umso mehr setzt sie sich für ihre Firma ein, schwärmt vom Tag der offenen Tür, an dem tausende Dresdner die neue Kläranlage in Kaditz „stürmten“, vom sauberen Elbwasser, von Dresden überhaupt. Die Stadt ist mehr als ein „lebendiges Museum“, und deshalb fand sie es so wichtig, gemeinsam mit dem OB Roßberg und TU-Kanzler Alfred Post die Bewerbung Dresdens zur Stadt der Wissenschaft zum Erfolg zu führen.

Ihr Unternehmen sucht den Kontakt zum wissenschaftlichen Nachwuchs, ein Stiftungslehr- stuhl im Bereich der Industrie- und Wasserwirtschaft der TU wird gerade eingerichtet, die Ausschreibungen laufen, aber das dauert Frau Röstel schon wieder viel zu lange, „... seit zwei Jahren drängen wir schon, und der Lehrstuhl ist immer nicht besetzt!“

Sagt kurz „Tschüss und danke“, bedauert, auf das gute Mensa-Essen verzichten zu müssen – aus Zeitgründen, versteht sich – und ist schon weg...

Anja Buch

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