Ihre Position:

Tutorenprogramm der Robert-Bosch-Stiftung nach 13 Jahren beendet – und was kommt danach?

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 17/2005, gültig vom 15.08.2005 bis 28.08.2005.

Hinweis: Die Angaben in diesem Artikel sind möglicherweise nicht mehr aktuell
Dieser Artikel stammt aus einer älteren SPIEGEL-EI-Ausgabe. Bitte beachten Sie, dass sich Informationen z.B. zu Öffnungzeiten oder Ansprechpartnern in der Zwischenzeit geändert haben können.

Es lag schon etwas Wehmut in der Stimmung, als zum Festakt am 25. Juli 05 im Berliner Bosch-Haus das erfolgreiche internationale Tutorenprogramm, das die Robert-Bosch-Stiftung mit dem Deutschen Studentenwerk und den örtlichen Studentenwerken seit 1992 durchgeführt hat, offiziell abgeschlossen wurde. 623 junge Absolventen mit einem ersten Hochschulabschluss aus den USA, aus Frankreich, Polen, der Tschechischen Republik und Russland nahmen daran teil. DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde bezeichnete das Programm als „konkrete, echte Völkerverständigung“.

Allein im Studentenwerk Dresden waren seit 1992 tätig: 27 Tutoren aus den USA, neun aus Frankreich, acht aus Polen und sieben aus der Tschechischen Republik – insgesamt 51. Auch ich war von Beginn an dabei und habe gern mit den Tutoren gearbeitet und sie unterstützt, aber auch in der Zusammenarbeit mit den jungen Leuten viel gelernt. Meine Aufgabe war es, den Aufenthalt vorzubereiten, ihnen ihre Heimat für zehn Monate nahe zu bringen und sie gemeinsam mit den Mitarbeitern der Hochschulen mit ihren Wirkungsorten vertraut zu machen, aber auch bei Fragen und Problemen mit Rat und Tat für sie da zu sein. Dabei war es oft nicht einfach, den Tutoren beim Anfangsseminar in Berlin zu vermitteln, dass es auch in Zittau und Görlitz Studenten und Einsatzmöglichkeiten gibt. In den meisten Fällen haben sie bestehende Vorurteile und Unkenntnis aber schnell überwunden und sind am Ende des Tutorats voll des Lobes über Region, die historischen Städte in neuem Glanz und die gewonnenen Freundschaften.

Wenn ich gefragt werde, was das Besondere am Bosch-Tutorenprogramm war, nenne ich stets zuerst die Vielseitigkeit und Offenheit. Danach kommt jedoch gleich die Effektivität der Organisation und Durchführung des Programms, denn es gab lediglich eine teilzeitbeschäftigte Mitarbeiterin für die bundesweite Organisation und Koordination beim DSW. Fast das ganze, von der Bosch-Stiftung bereitgestellte Geld kam damit direkt auch an der Basis bei den Tutoren an. Das gibt eine traumhafte Quote von notwendigem Aufwand zu Ergebnis. Alle anderen Verwaltungsaufgaben wurden durch die Studentenwerksmitarbeiter und durch die Hochschulmitarbeiter neben ihren eigentlichen Hauptaufgaben in den Bereichen, wo die Tutoren tätig waren, erledigt.

Das Programm zielte in zwei Richtungen: Erstens leisteten die Tutoren einen großen landeskundlichen und sprachkundlichen Beitrag für die deutschen Studenten und die Studienstandorte, konnten sich dabei auf ihre speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten stützen, Projekte bearbeiten und sich dabei auch auf Verbündete vor Ort, besonders in den Hochschulen, stützen. Alle Aufgaben standen unter dem großen Zeichen der „Völkerverständigung“.

Auch ich bin überzeugt, dass dieses Programm in seiner Art einmalig in Deutschland war und einen guten Beitrag zur Völkerverständigung geleistet hat. Leider konnte Ministerialdirigent Peter Geisler vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der das Tutorenprogramm als „wichtigen Beitrag für die Internationalisierung des deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystems“ würdigte, auf der Berliner Festveranstaltung nicht verkünden, dass die notwendigen Mittel zur Weiterführung des Programms (ca. 1 Mio. € im Jahr) vom Bund bereit gestellt werden.

In Dresden hat der Geschäftsführer des Studentenwerks Dr. Rudolf Pörtner in einem gemeinsamen Essen den letzten Jahrgang der Bosch-Tutoren mit Clarissa Howe (USA), Petra Zachová (CZ) und Chad Robertson (USA) verabschiedet. Spiegel-Ei hatte sie ja in den Ausgaben 5-7/ 2005 ausführlich vorgestellt. Sie nehmen aus der Zeit in Dresden, Zittau und Görlitz unvergessliche Eindrücke mit. Ihnen hat es so gut gefallen, dass sie weiterhin in Deutschland bleiben werden. Spiegel-Ei wünscht ihnen viel Erfolg und Glück auf ihrer Karriereleiter. Agnieszka Surwillo (PL) als vierte Bosch-Tutorin mit Schwerpunkt Kultur wird noch bis Oktober am Studentenwerk Dresden tätig sein.

Doch es gibt keine Vergangenheit ohne einen Schimmer Zukunft: Die Robert Bosch Stiftung konzipierte auf der Basis der bisherigen erfolgreichen Zusammenarbeit ein neues Programm mit dem DSW und den örtlichen Studentenwerken. „Studentenservice International“ wird es heißen, und in die Studentenwerke internationale Praktikanten (sie kommen aus den USA, Frankreich, Italien, Norwegen, Polen, Tschechische Republik und Russland) vermitteln, die in einem neunmonatigen Praktikum die Arbeit der deutschen Studentenwerke kennen lernen und dort ein spezielles Projekt bearbeiten werden. Daran wird sich, beginnend bereits in der Pilotphase, auch das Studentenwerk Dresden beteiligen. Bei uns wird eine polnische Praktikantin tätig sein.

Mehr Infos zum Tutorenprogramm der Bosch Stiftung gibt’s unter http://www.tutorenprogramm.de

Werner Sucker

Zurück zur Übersicht der SPIEGEL-EI-Ausgabe 17/2005