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Schnell, aber gut - Wohnheim D Zittau in sechs Monaten saniert

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 21/2005, gültig vom 07.11.2005 bis 20.11.2005.

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Es ist kurz vor vier Uhr am Nachmittag des 11.Oktober, als noch zwei Mitarbeiterinnen von der Architektengemeinschaft Zimmermann an einem Aufsteller im Foyer des Wohnheim D in der Zittauer Schliebenstraße herumwerkeln, um schließlich zufrieden das Ergebnis in Augenschein zu nehmen: Es handelt sich um ein Plakat „VORHER / NACHHER“, das dem Betrachter deutlich vor Augen führt, wie stark sich das Innere des Wohnheims verändert hat.

Entgegen der ursprünglichen Absicht des Studentenwerks, „nur“ zu renovieren, die Medien zu erneuern und die Fenster und Türen auf Vordermann zu bringen, hat man nach langem Ringen einen Kompromiss zwischen geldgebenden Ministerium (eine Mio. von insgesamt 1,8 Mio. Baukosten) und dem Bauherrn Studentenwerk gefunden, so dass sich nun doch die Struktur des Gebäudes veränderte. Die Architektengemeinschaft Zimmermann gab den Treppenfluren ein fröhliches Gelb und den Studentenzimmern ein nicht minder starkes Orange, so dass - zumindest farblich gesehen - die Studenten keinen Grund zur Traurigkeit haben.

Die Renovierungszeit war extrem kurz bemessen – vom 01.April bis 30. September, aber nichtsdestotrotz sind per 01.Oktober alle 152 Einzelzimmer wieder vergeben worden. Zum Teil spüren die Neueingezogenen auch noch die „Frische“ ihrer Zimmer – wenn ein Fenster nicht richtig schliesst oder andere kleine Baumängel noch auf Reparatur warten. Aber die Freude überwiegt, in ein nagelneu saniertes Gebäude einzuziehen zu können, die Internetanschlüsse werden in wenigen Tagen zur Verfügung stehen, und wer möchte, kann im hauseigenen Studentenclub, dem D-Keller, ein Bierchen trinken.

Doch vor den Preis hat Gott den Fleiß gesetzt, bevor also Sekt getrunken werden kann, sprich bevor die offizielle Eröffnungsfeier des Studentenwerks in der Mensa beginnt, findet noch eine Wohnheimversammlung statt. Im Foyer und in den Fluren versammelt sich ca. ein Drittel der Mieter und lauscht den Worten von Karin Antes, Leiterin der Außenstelle Zittau des Studentenwerkes Dresden. Man glaubt gar nicht, was ein Student, der ins Wohnheim (erstmalig) einzieht, alles wissen muss!

Kleine Auswahl? „...Wo darf man parken, wo nicht, darf man Löcher in die Wand bohren, wenn ja, wo und: Muss man beim Auszug die Löcher wieder verputzen? Welche TV-Sender sind zu empfangen, welche Steckdose ist für die Mikrowelle geeignet, bei wem meldet man Telefon-Festnetz an (oha, ein Student ohne Handy?), wieviel kostet die Benutzung der Waschmaschine im Wohnheimkeller, wird der Müll getrennt und wo stehen die Mülltonnen, wer reinigt die Treppenflure und wo meldet man sich wegen einer defekten Steckdose? ...usw. usf. Das gute alte schwarze Brett hat noch nicht ausgedient. Dort findet Student so wichtige Dinge wie die Handy-Nummer vom Hausmeister und für Notfälle am Wochenende die Nummer des Bereitschaftsdienstes.

Am Ende der Wohnheimversammlung kommt es zum Schwur: Wird sich ein Wohnheimsprecher finden oder nicht? Wie Karin Antes berichtet, gibt es in den neuen Bundesländern eher den Trend zum „jeder kümmert sich um sich“, während es in den alten Ländern keine Schwierigkeiten bereitet, einen Verantwortlichen unter den Wohnheimbewohnern zu finden (Was aber daran liegen kann, dass im Westen ein Wohnheimzimmer schwieriger zu ergattern ist und auch nach Ablauf einer bestimmten Frist wieder abgegeben werden muss, es sei denn, man ist WH-Sprecher). Entgegen allen Vorurteilen meldet sich aber auf Anfrage sofort einen junge Studentin, Beatrice V. aus Potsdam, Studentin im ersten Semester im Fach Übersetzung Englisch/Tschechisch. Wie sie anschließend berichtet, hat sie schon eine Berufsausbildung gemacht und kommt also nicht als ganz frische Abiturientin nach Zittau, vielleicht liegt es daran, dass sie sich engagieren möchte für ihre Mitbewohner. Die kleine Stadt ganz im Osten gefällt ihr, es gibt viel zu sehen und die Umgebung ist schön, aber als Großstädterin fehlt ihr der Trubel am Abend in der Innenstadt.

Nach Klärung aller Sachfragen begibt man sich zum Feiern in die direkt neben dem Wohnheim gelegene Mensa. Ungefähr 50 Studenten folgen der Einladung und lassen sich belegte Brötchen, Sekt und Bier schmecken, nicht ohne vorher den Reden von Studentenwerksgeschäftsführer Dr.Pörtner, Architekt Ulf Zimmermann, Rektor Prof. Hampel und – als Abgesandter des SMWK – Herrn Ministerialrat Zempel gelauscht zu haben.

Es wird gelobt – der zügige Bauablauf, gedankt – dem Ministerium für 1 Mio EUR, den Baufirmen, den Architekten, den Mitarbeitern des Studentenwerks und gewünscht: den Studenten ein gutes Studium unter nunmehr spürbar verbesserten Bedingungen.

Anja Buch

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