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Suppenkasper war gestern... Vorgestellt: Brigitte Rößler, Lehrausbilderin

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 8/2008, gültig vom 14.04.2008 bis 27.04.2008.

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Ob Lehrausbildung für Kochazubis oder Kochkurs für Studenten - Brigitte Rößler kann beides, und das sehr gut. Wer eigene Kinder hat, weiß, wie schwer die zu bändigen sind, egal ob es sich um eins, zwei oder drei handelt. Brigitte Rößler hat 17 davon unter ihren Fittiche genommen und bringt ihnen das ehrenwerte Handwerk des Kochens bei - sie ist Lehrausbilderin im Studentenwerk Dresden und bildet die Koch-Azubis aus. Was viele nicht wissen - das Studentenwerk kümmert sich nicht nur um den Service rund ums Studium, sondern ist "nebenbei" auch noch Lehrausbildungsbetrieb für Köche und Bürokaufleute.

Innerhalb von drei Jahren werden aus den Azubis ausgebildete Köche, und man schickt sie ins echte Leben hinaus. Viele von ihnen nehmen die Möglichkeit, die das Studentenwerk bietet, wahr, bleiben nach Ausbildungsabschluss noch ein halbes Jahr hier und bewerben sich in dieser Zeit auf dem "freien Markt" - mit sehr guten Chancen, wie Brigitte Rößler bestätigt, denn die Ausbildung beim Studentenwerk ist etwas wert und hat Qualität.

Neulich erst waren zwei Azubis des dritten Lehrjahres mit ihr in Berlin bei der Universiade (ein Kochwettbewerb für alle Studentenwerks-Kochazubis Deutschlands) und gewannen den dritten Platz und damit einen Pokal, der aussieht wie eine Mischung aus Berliner Bär und Milka Kuh (Foto). Das Menü, das immerhin für den Bronze-Platz gut war, bestand aus einer Rinderkraftbrühe "Celestine", gebratenem Seelachsfilet mit Gurken-Dill-Soße und Paprikarisotto nebst Salat, das Dessert hörte auf den schönen Namen "Quark-Schoko-Waldbeerterrine". Die zwei Azubis aus dem dritten Lehrjahr, die die Dresdner Studentenwerksköche vertraten, mussten dieses Menü für 100 Studenten kochen und auch ausgeben. "Kochen hat heute viel mehr mit Kommunikation zu tun als noch vor zehn oder zwanzig Jahren" meint Brigitte Rößler. "Das sage ich den jungen Leuten auch, wenn sie sich bei uns um eine Lehrstelle als Koch bewerben. Das Gespräch mit den Kunden, die Zubereitung frischer Speisen sozusagen im Angesicht des Konsumenten darf für einen zukünftigen Koch kein Problem sein. Im stillen Kabuff in den Töpfen rühren und Schnittlauch häckseln - das war einmal. Heutzutage sollte ein Koch kommunikativ und innovativ sein und auch gern mal ein neues Rezept ausprobieren." Das entspricht der Lebensmaxime von Brigitte Rößler, die eine rastlose Köchin und engagierte Ausbilderin ist. Ihre zwei Töchter sind schon flügge und außer Haus, aber auch ihr Ehemann ist ein Kochprofi, der Beruf lässt sie also auch im privaten Umfeld nie ganz los.

Die Gespräche mit den Bewerbern für das neue Lehrjahr laufen derzeit gerade, aber wenn noch jemand umsatteln möchte - für September 2008 wären vielleicht noch ein bis zwei Lehrstellen frei. Man muss ja nicht gleich das Kochen zum Beruf machen: Brigitte Rößler bringt jedes Semester etwa acht Studenten während eines Kochkurses die schöne Kunst der kulinarischen Verführung nahe. Wer kennt nicht den (wahren) Spruch von der "Liebe, die durch den Magen geht"? Am 10. April startete ein Kochkurs, für den man sich noch schnell anmelden kann, und nach acht Kursnachmittagen ist man bestimmt fit für ein kleines Vier-Gänge-Menü unter Freunden oder kann die Mutti am heimischen Herd mal entlasten.

Anja Buch

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