Förster und Försterinnen unter sich

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 6/2009, gültig vom 16.03.2009 bis 29.03.2009.

Hinweis: Die Angaben in diesem Artikel sind möglicherweise nicht mehr aktuell
Dieser Artikel stammt aus einer älteren SPIEGEL-EI-Ausgabe. Bitte beachten Sie, dass sich Informationen z.B. zu Öffnungzeiten oder Ansprechpartnern in der Zwischenzeit geändert haben können.

Wer in Tharandt studiert, ist zwangsläufig Student der Forstwissenschaften. Die meisten sind es wohl gern. Auf jeden Fall sind die neun angehenden/zukünftigen Waldpfleger und Jäger im Wohnheim Pienner Straße glückliche Menschen. Sie haben geschafft, was vielen anderen Studierenden nicht gelingt: Seit drei Jahren wohnen sie im eigenen Haus.

Das Haus gehört natürlich dem Studentenwerk Dresden. Aber seit das ehemalige Bürogebäude 2006 teilsaniert und als Wohnheim eingerichtet wurde, gibt es eine Art Selbstverwaltung. Claudia B. und Johannes W., zwei der neun Bewohner: "Wir haben Mitspracherecht, falls ein Mieter auszieht und ein anderer einzieht. Bedingungen? Gibt es keine besonderen, er oder sie muss halt zu uns passen." Es scheint nicht so schwer zu sein, sich mit den Bewohnern - vier Frauen und fünf Männer - der Pienner Straße 9 zu verstehen, sie studieren alle Forstwissenschaft, haben fast alle 2006 ihr Studium begonnen, und es verbindet sie eine gewisse Affinität zum Wald und allem, was darin wächst, kreucht und fleucht. Ob ihr Berufsziel nun Waldbau, Naturschutz oder Forstverwaltung heißt, die Studieninhalte vom dreijährigen Bachelor und dem sich anschließenden zweijährigen Masterstudium sind für alle gleich, gelernt werden kann gemeinsam. Prüfungszeiten sind identisch, und wenn einer Ruhe zum Lernen braucht, geht es den anderen genauso. Diese Gemeinsamkeiten erleichtern natürlich das Zusammenleben.

Aber ohne gegenseitige Rücksichtnahme geht es auch in dieser WG nicht. Zwei Zimmer liegen direkt neben der großen und gemütlichen Gemeinschaftsküche: "Da können nur unsere Frühaufsteher wohnen", erklärt Johannes. Manchmal müssen die Frühaufsteher auch Spät-ins-Bettgeher sein, denn natürlich werden Feste gefeiert, wie sie fallen: Geburtstage, Einzüge, Auszüge etc. Die Reinigung wird straff organisiert, und der Plan scheint nicht nur graue Theorie zu sein, denn Küche und Sanitärbereich machen einen sehr aufgeräumten und sauberen Eindruck. Für die Fahrräder gibt es einen extra Abstellraum, aber zu den Unigebäuden bzw. zur Mensa mit Bibliothek läuft man zu Fuß allerhöchstens fünf Minuten. Immer an der Weißeritz entlang, die sich lieblich rauschend am Haus vorbeischlängelt.

Wen die Abenteuerlust packt, der kann am Wochenende im Staatsforst jagen gehen, denn - Achtung Bambi-Fans! - im Rahmen eines Forstwissenschaftlichen Studiums kann man auch seinen Jagdschein machen. So viel Idylle und Nähe zur Natur bietet nur Tharandt. Aber die Kleinstadt hat nicht nur Vorteile. Wer in Tharandt wohnt und weder auf Szeneviertel wie die Neustadt noch auf Kino und Theater zurückgreifen kann, muss selber Studentenleben organisieren. Wie von selbst scheint das in der Pienner Straße zu funktionieren: Gemeinsames Frühstück am Wochenende, ab und an kocht man zusammen, abends sitzen alle mit Freunden in der großen Küche, getreu dem Motto: Ein Jäger, der nicht raucht, nicht trinkt, nicht liebt und frohe Lieder singt, der niemals spricht ein Wort daheim, das kann kein guter Jäger sein.

Anja Buch

Zurück zur Übersicht der SPIEGEL-EI-Ausgabe 6/2009