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BAföG - wohin sollst Du gehen? Ergebnisse und Konsequenzen aus einer Studentenumfrage

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 1/2010, gültig vom 04.01.2010 bis 17.01.2010.

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Im September 2009 führte das Studentenwerk eine Umfrage unter TU-Studenten durch. Themen waren die finanzielle Situation der Studierenden und die Frage der Unterstützung durch die Eltern. Alle Auswertungsergebnisse finden Sie unter:

Im Rahmen der Umfrage wurde an alle zu diesem Zeitpunkt immatrikulierten 35.000 Studenten der TU Dresden ein E-Mail-Fragebogen versandt. Innerhalb von zwei Wochen beantworteten rund 5.300 Studierende den Fragebogen, so dass ein Rücklauf von 15 % erzielt wurde. Den Studierenden wurden insgesamt 25 Fragen zu ihrer Person, ihren finanziellen Verhältnissen, zum Bildungsstand der Eltern und zur Einschätzung ihres Lebensstandards gestellt. Im Beitrag "Quo vadas, BAföG? - Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit" - veröffentlicht in der in der Festschrift "Studieren in Dresden" - wurde eine Teilauswertung der Umfrage vorgenommen.

Die Antworten derjenigen Studenten, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, wurden getrennt ausgewertet von denjenigen, die noch im Haushalt der Eltern leben. Wenn man die Situation der Studierenden betrachtet, die nicht bei den Eltern wohnen und kein BAföG erhalten, so stellt man fest, dass sie sich zum Teil in einer prekären Lage befinden: 55% bekommen weniger als 400 Euro von den Eltern, ein knappes Viertel erhält einen Betrag zwischen 400 und 500 Euro, und nur ca. 21% bekommen mehr als 500 Euro. Diesen Feststellungen entspricht, dass Studierende aufgrund fehlender elterlicher Unterstützung auf eigene Erwerbstätigkeit angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Die Studierenden, die nicht bei ihren Eltern leben und eine Förderung nach BAföG erhalten, befinden sich in einer durchaus entspannteren Lage, ihnen stehen relativ hohe Summen zur Verfügung, und der Hinzuverdienst durch eigene Erwerbstätigkeit liegt vergleichsweise sehr niedrig. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei den Studierenden, die bei den Eltern leben. Auch hier sind die BAföG-Geförderten deutlich im Vorteil. Auffällig ist, dass nur 55% der Bezieher von Leistung nach dem BAföG auch Leistungen von den Eltern erhalten. Offenbar verbleibt auch das Kindergeld in vielen Fällen im elterlichen Budget. Wenn man diejenigen Studenten betrachtet, die bei den Eltern wohnen und keinen Anspruch auf Leistungen nach dem BAföG haben, stellt man fest, dass sich auch diese Gruppe in einer relativ ungünstigen Lage befindet. Dieser Gruppe stehen zu 70% weniger als 400 Euro im Monat zur Verfügung. 41,9% erhalten durchschnittlich 167,40 Euro im Monat, und ein reichliches Viertel erhält sogar nur durchschnittlich 72,80 Euro von den Eltern.

Aus den Feststellungen der Untersuchung ergeben sich verschiedene Konsequenzen. Eine davon betrifft das sogenannte "Mittelstandsloch". Bei der weiteren Entwicklung des BAföG sollte dieses "Mittelstandsloch" möglichst verkleinert wird. Durch eine überproportionale Anhebung der Freibeträge würde man erreichen, dass vor allem Studierende, die weniger Leistungen nach dem BAföG erhalten oder dieses knapp verfehlen, im Ergebnis besser gestellt werden. Gerade bei diesen Gruppen wurde festgestellt, dass die elterlichen Leistungen hinter dem Soll zurückbleiben, und dass die Studierenden in relativ hohem Maße zur Erwerbstätigkeit neben dem Studium gezwungen sind. Weitere Überlegungen betreffen die Möglichkeiten der Stipendienvergabe, der Vereinfachung der BAföG-Regelungen, der Förderung des Bildungssparens und anderes mehr.

Rudolf Pörtner

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