Der Chef im BAföG-Amt ist eine Frau

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 7/2010, gültig vom 29.03.2010 bis 11.04.2010.

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Seit Herbst vergangen Jahres steht an der Spitze der Abteilung Ausbildungsförderung - besser bekannt unter BAföG-Amt - eine Frau: Jana Greiner. Im Interview mit dem Spiegel-Ei erzählt sie von Herausforderungen, Chancen und Problemen.

Spiegel-Ei: Seit wann sind Sie Hauptabteilungsleiterin der Abteilung Ausbildungsförderung?

Jana Greiner: Nach einem Studium der Rechtswissenschaften an der Martin-Luther-Universität in Halle fing ich als Gruppenleiterin im Studentenwerk Dresden an zu arbeiten, das war 2004. Die Stadt hat mir gleich gefallen, und wenn ich auch noch oft in meiner Heimatstadt Dessau bin, so fühle ich mich in Dresden doch sehr wohl. Als 2009 die Stelle des Hauptabteilungsleiters im Amt für Ausbildungsförderung ausgeschrieben wurde, gab es für mich keine Zweifel und ich bewarb mich um die Stelle..

Spiegel-Ei: ...und wurden genommen.

Jana Greiner: Ich brachte ja mittlerweile vier Jahre Erfahrung ein, hatte die Qualifikation und kannte das Studentenwerk. Die Nachfolge von Dr. Krebs antreten zu können, der jahrelang erfolgreich das BAföG-Amt geleitet hat, ist für mich eine Herausforderung.

Spiegel-Ei: Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit - was bereitet eher Schwierigkeiten?

Jana Greiner: Meinen Arbeitsbereich finde ich interessant, das Thema Ausbildungsförderung ist sehr oft im Gespräch. Immer wieder ändern sich Details im Gesetzestext, Freibeträge werden neu geregelt, und auch die Probleme der Studierenden variieren. Ich bearbeite ja keine einzelnen Akten, sondern bekomme die "Problemfälle" auf den Tisch bzw. beschäftige mich mit besonders komplizierten Einzelentscheidungen. Natürlich ist die Führung einer so großen Abteilung eine Herausforderung - nicht immer stoßen Neuheiten auf Begeisterung bei meinen Mitarbeitern. So habe ich zum Beispiel das Prinzip der Aktenrotation eingeführt. Das bedeutet, dass z. B. die Sachbearbeiterin, die bisher die Buchstaben A - Bau betreut hat, jetzt den Buchstaben Be - Bo bearbeitet.

Spiegel-Ei: Und was soll das bringen?

Jana Greiner: Die Aktenrotation wird schon länger in anderen Verwaltungen praktiziert und ausdrücklich empfohlen. Sie führt dazu, dass keine Routine aufkommt - neue Akten fordern eine ganz andere Aufmerksamkeit. Zusätzlich haben wir in unserer Abteilung die Sachbearbeiter neuen Gruppenleitern zugeordnet. Eine Strukturänderung aller zwei Jahre ist zwar nicht ganz unumstritten, erhöht aber die Flexibilität der Mitarbeiter und bringt frischen Wind in die Abteilung.

Spiegel-Ei: Halten Sie das BAföG-System in Deutschland für gerecht?

Jana Greiner: Es ist zumindest ein gutes System. Natürlich gibt es immer noch Regelungen, die man vereinfachen könnte. Zum Beispiel stellt sich die Berechnung des Bedarfs im Bereich der Zuschläge für die Krankenversicherung und der Mieten kompliziert dar. Hier wären Pauschalierungen vorzunehmen. Aber wo gibt es schon das perfekte System?

Spiegel-Ei: Haben Sie selbst als Student einen BAföG-Antrag gestellt?

Jana Greiner: Ja, und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich es nicht zu kompliziert fand, die Formblätter korrekt auszufüllen (lächelt).

Spiegel-Ei: Würde Sie heutzutage Studierenden raten, in jedem Fall einen BAföG-Antrag zu stellen?

Jana Greiner: Ja, unbedingt. Nichts ist wichtiger, als die Finanzierung des Studiums zu klären. Wenn man vielleicht auch nicht den vollen Satz erhält, so ist es doch eine Beruhigung, mit einem bestimmten Sockelbetrag rechnen zu können. Jeder Studierende sollte seine Chance nutzen und einen Antrag stellen. Es ist weniger schwierig, als viele zukünftige Studenten denken.

Spiegel-Ei: Im BAföG-Amt arbeiten hauptsächlich Frauen, viele junge Mitarbeiterinnen stehen vor der Familienplanung - gibt es da ein besonderes Augenmerk auf Personalplanung bzw. Unterstützung junger Familien?

Jana Greiner: Nur zwei der 48 Mitarbeitern in der Abteilung Ausbildungsförderung sind Männer. Wir haben im Studentenwerk verschiedene Möglichkeiten der Teilzeitbeschäftigung, und junge Mütter können nach der Elternzeit wieder in ihren Job einsteigen.

Spiegel-Ei: Kommen Sie noch dazu, sich um Familie und Hobbys zu kümmern?

Jana Greiner: Das Wochenende gehört der Familie, und wenn noch ein bisschen Zeit übrig bleibt, lese ich sehr gerne.

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