Der Name Tusculum und seine Bedeutung
Ihre Überreste findet man in der idyllischen Landschaft um das heutige Frascati: Bruchstücke der Stadtmauer, Tempelruinen, die Sitzreihen eines Theaters. Der Name weist vielleicht auf die Herrschaft der Etrusker zurück: jedenfalls stellte die antike Überlieferung diesen Zusammenhang her (Tusci hießen die Etrusker).
Wohl bereits zu Beginn des 4.Jahrhunderts v. Chr. erhielten die Einwohner der Stadt das römische Bürgerrecht. Bedeutende Familien stammten von hier: etwa die des Marcus Porcius Cato Censorius (234 - 149 v.Chr.),als Mensch und Politiker bekannt für seine altrömische Sittenstrenge, als Schriftsteller früher Exponent einer bewusst national orientierten Literatur.
Seit spätrepublikanischer Zeit wurden in Tusculum zahlreiche Villen reicher Römer angelegt: über 130 sind bisher lokalisiert worden. Eine von ihnen gehörte Marcus Tullius Cicero, der sie im Jahre 68 v.Chr., als er bereits ein gefeierter Redner war und im Begriff stand, sich auch in der Politik einen Namen zu machen, als Refugium und private Bildungsstätte erworben hatte.
Die großzügige Anlage umfasste auch ein "Lyceum" und eine "Akademie", so benannt nach den Orten, an denen in Athen Aristoteles und Platon gelehrt hatten. Hier auf seinem "Tusculanum" siedelt Cicero die philosophischen Gespräche an, die er unter dem Titel "tusculanae disputationes" im Herbst des Jahres 45 v.Chr. zu literarischer Darstellung bringt.
Das dem Freunde Marcus Iunius Brutus, dem späteren Caesarmörder, gewidmete Werk behandelt in fünf Büchern Fragen der praktischen Ethik: Die Überwindung der Todesfurcht, das Ertragen des Schmerzes, die Linderung des Kummers, die Freiheit von Leidenschaften, die Autarkie der sittlichen Vollkommenheit für das glückliche Leben.
Wenn Cicero im letzten Buch die Philosophie als einen Hafen preist, in dem der von Schicksalsschlägen Heimgesuchte Zuflucht findet, wird verständlich, wie sehr ihm sein Tusculanum als Stätte geistiger Begegnung ans Herz gewachsen war.







