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Interview mit den Studenten im Verwaltungsrat des Studentenwerks

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 2/2007, gültig vom 22.01.2007 bis 05.02.2007.

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Am 04.01.07 wurden im TU-STURA die neuen Mitglieder für den Verwaltungsrat des Studentenwerks gewählt. Künftig werden Christian Soyk, Eric Seidel und Stanislaw Bondarew die Interessen der TU-Studenten dort vertreten. Im Dezember 2006 fand das nachfolgende Gespräch mit Stanislaw Bondarew und Benjamin Hartung statt. Benjamin Hartung war mehrere Jahre Mitglied im Verwaltungsrat.

Wie mächtig ist eurer Meinung nach der Verwaltungsrat im SW?

Der Verwaltungsrat (VR) steht über der Geschäftsführung (GF) des Studentenwerks (SW) und ist daher relativ mächtig. Jedoch finden seine Einflussmöglichkeiten ihre Grenzen in Gesetzen, finanziellen Rahmenbedingungen, wirtschaftlichen Zusammenhängen, der Kompetenz und dem Engagement seiner Mitglieder so wie in der zeitlichen Beschränkung ihres ehrenamtlichen Einsatzes. Durch letzteres ist der VR mitunter auf Zuarbeiten durch Mitarbeiter des SW angewiesen, die er zugleich kontrollieren soll. Seine Macht könnte in den hierdurch gegebenen Manipulationsmöglichkeiten eine Einschränkung finden...

Wie viel Einfluss haben die Studenten dabei?

Der Einfluss der Studenten ist von ihrer Überzeugungskraft gegenüber den zahlenmäßig gleich vertretenen nichtstudentischen VR-Mitgliedern abhängig. Außerdem wird im VR sozusagen "Politik auf einer nach geordneten Ebene" gemacht. Das bedeutet: Auf Entscheidungen des Landtages und der Regierung von Sachsen haben wir keinen unmittelbaren Einfluss, sondern nur die Rolle von Lobbyisten für SW und Studierende. In unserem direkten Einflussbereich liegt nur, was wir aus den gesetzten Rahmenbedingungen - wie zum Beispiel der Zuschusshöhe zu den Mensen - machen.

Wie würdet ihr das Klima im VR beschreiben?

Natürlich hängt das aktuelle Klima entscheidend davon ab, wer im Gremium VR vertreten ist. Bisweilen ist das Klima im Regelfall konstruktiv und fair. Meinungsverschiedenheiten werden nicht unter den Teppich gekehrt, so dass es auch immer wieder echte Auseinandersetzungen gibt. Wichtig ist dabei, sich auf die Sache zu konzentrieren und die Differenzen nicht persönlich zu nehmen.

Wie viel Zeitaufwand muss man als Mitglied des VR rechnen?

Der Zeitaufwand für den VR ist letztlich ein "Fass ohne Boden", wenn man die damit verbundenen Aufgaben ernst nimmt und sich in die umfangreichen Themen einarbeitet, um agieren und nicht nur reagieren zu können. Durchschnittlich ist ein Aufwand von mehreren Tagen pro Monat erforderlich, wovon ein erheblicher Teil durch wenig beeinflussbare Termine festgelegt ist.

Was sind eure Aufgaben?

Wir begleiten die Unternehmenspolitik des Studentenwerks Dresden und gestalten sie in Grundzügen und wesentlichen Fragen mit. Dabei agieren wir in allen Aufgabenfeldern dieses selbstlos tätigen, gemeinnützigen "Non-profit" Dienstleistungsunternehmens, nämlich:

  • Mensen und Cafeterien
  • Studentenwohnheime und Gästehaus
  • Kultur- und Sozialförderung
  • Kindergärten und Kitas
  • Finanzielle Unterstützung bedürftiger Studenten
  • Gesundheitsförderung und Beratung der Studierenden

Darüber hinaus:

  • Kommissionen zu Themen, die den zeitlichen Rahmen von VR-Sitzungen sprengen
  • Repräsentative Aufgaben gegenüber Gästen aus Deutschland und dem Ausland so wie als Gast oder Gremienmitglied in Deutschland und dem Ausland
  • Regelmäßige Kontakte zu den sächsischen Kollegen in den anderen drei SW und der KSS, einschließlich Teilnahme an und Ausrichtung entsprechender Kontakttreffen
  • Kontakte zu Ministerium und Landtag
  • Vorbesprechung von VR-Sitzungen
    • unter den studentischen VR-Mitgliedern
    • mit nichtstudentischen VR-Mitgliedern
    • mit der GF
  • Konsultation des Studentenrates vor und nach jeder VR-Sitzung
  • Konzeptionelle Erarbeitungen zu aktuellen und grundlegenden Fragen des SW

Habt ihr irgendwelche Projekte verwirklicht, auf die ihr gern hinweisen möchtet?

Ja, hier eine Auswahl aus der noch viel längeren Liste unserer Arbeit der letzten zwei Jahre:

  • Sanierung der Alten Mensa Mommsenstraße bewältigt (Zeltmensenprovisorien)
  • Sanierung der Wohnheime Hochschulstraße und Zittau kritisch begleitet
  • auf eine mehr studentenorientierte Gestaltung der Wohnheime hingewirkt
  • Datenschutz bei den Internetzugängen in den Wohnheimen verbessert
  • Pauschale Mieterhöhungen abgelehnt
  • Missbräuchliche Nutzung des EMeals zurückgedrängt
  • Sicherheit der Aufladung des EMeals mit EC-Karte erhöht
  • Kontakt zwischen Studentenrat und Verwaltungsrat auf eine regelmäßige Basis gestellt (und damit unser zentrales Wahlversprechen eingelöst)
  • der Arbeit des VR öffentlich zu mehr Transparenz verholfen
  • in einen Dialog mit Parlamentariern so wie den Ministerinnen und Mitarbeitern des Wissenschaftsministeriums getreten
  • Auslandskontakte des SW gepflegt und die studentische Beteiligung hieran erweitert
  • ein Sprecheramt im bundesweiten Dachverband (Deutsches Studentenwerk, DSW) ausgefüllt und am deutschlandweiten Erfahrungsaustausch der SW partizipiert
  • Internationale Projekte des DSW personell unterstützt

Was ist für die neuen Studenten im Verwaltungsrat wichtig?

Eine in Umfang und Sache würdige Fortsetzung unserer Arbeit, insbesondere regelmäßige Anwesenheit, auch zu Prüfungs- und Praktikumszeiten und während Auslandssemestern. Wille zum tiefen Ergründen der Problem- und Aktionsfelder der SW-Geschäftstätigkeit. Die GF stets in die Verantwortung nehmen. Sich nicht blenden lassen, verdächtige Umstände nachhaltig aufklären, kritisieren und gegebenenfalls mit Konsequenzen ahnden.

Die Fragen stellte Armin Grundig, Referent Studentenwerk im Studentenrat der TU Dresden.

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