Wohnheim TÜV: Lindenstraße 18 und 30 in Zittau

Ein Artikel aus der SPIEGEL-EI-Ausgabe 8/2004, gültig vom 12.04.2004 bis 25.04.2004.

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Studierende, die sich an der Hochschule Zittau /Görlitz einschreiben, haben in Zittau die Wahl unter sehr großen, mittelgroßen und auch ganz kleinen Wohnheimen. Wer es lieber ruhig angeht und viel Trubel gern meidet, dessen Augenmerk sollte sich auf die zwei kleinen Häuser in der Lindenstraße richten: Man darf sich allerdings unter der Lindenstraße keine baumbestandene Allee vorstellen, und die Namensgleichheit zur berühmten Fernsehserienstraße läßt auch keine richtige Vorstellung über die Beschaffenheit der beiden Wohnheime aufkommen.

Die Häuser Lindenstraße Nr. 18 und Nr. 30 ähneln sich, ihre Mauern haben schon viele Jahre auf dem Buckel, wurden aber vor sieben bzw. vier Jahren komplett saniert.

Sie stehen in der historischen Altstadt, und zum Marktplatz sprich zur nächsten Eisdiele, zum Kino, zum Rathaus und zur Johanniskirche (Kultur- und Ausstellungszentrum) läuft man höchstens fünf Minuten.

Zum Hochschulgelände ist nur eine kurze Distanz zu überwinden, günstig per pedes oder noch besser mit dem Fahrrad dauert es je zwischen acht und fünfzehn Minuten. Das Fahrrad ist in jedem Fall das ideale Fortbewegungsmittel in der Stadt, denn Parkplätze sind Glückssache und sehr selten zu finden oder teuer zu bezahlen (oder Beides).

Der Blick ?nach hinten raus? aus der Lindenstraße offenbart weite Flächen, man schaut auf sanierte Häuserfronten, Baustellen und auf den Turm des Stadtbades, der schon sehr respektabel aussieht, auch wenn das Areal im Ganzen noch lange nicht fertig saniert ist und noch einiges an Fördergeldern gebrauchen könnte. Beide Häuser machen schlichtweg einen gemütlichen Eindruck, und auch die Lindenstraße, zu der viele Fenster hinausgehen, scheint keine große Verkehrsader zu sein.
Die Bewohner der Ein- und Zweibettzimmer haben meist zu viert oder zu sechst einen gemeinsamen Flur sowie Bad und Küche. Wenn einmal Einigung erzielt wurde über den Reinigungsplan, ?...dann läuft alles?, wie der Hausmeister, Gerhard Eggert, bestätigt. Die Studenten sind zufrieden mit ihren Zimmern, und die schönen Balkone in der Lindenstraße 18 werden im Sommer häufig zum Grillen genutzt. Wie mir Friederike aus Chemnitz, Studentin für Wirtschaftsingenieurwesen / Spezialisierung Immobilienwirtschaft, bestätigt, ist das Leben auch im Zweibettzimmer (Lindenstraße 18) erträglich, wenn man einfach akzeptiert, dass der andere auch Bedürfnis nach Ruhe hat und Toleranz kein Fremdwort ist.

Gabriel Schmolke, Student im Fach Mechatronik und bereits im 6.Semester, fühlt sich im Einzelzimmer wohl, er lebt im historischen Gewölbe (Foto) und nennt eine Miniküche und ein Bad sein eigen, denn die zwei Wohnungen im Erdgeschoß der Lindenstraße 30 sind so komfortabel ausgestattet. Für die anderen achtzehn Studenten in den drei Stockwerken darüber gilt auch: gemeinsames Bad und Küche für ca. sechs Leute.

Das Haus, das im Jahr 2000 saniert wurde, wird erst seit vier Jahren als Wohnheim genutzt, aber was für Geschichten es birgt, kann man nur erahnen: Gabriel Schmolke ist es jedenfalls zum Tag des offenen Denkmals passiert, dass ältere Herrschaften aus Zittau hereinspazierten und staunten, was aus ihrer ehemalige Fischhandlung geworden ist.
Im Hof steht in den ersten zaghaften Strahlen der Märzsonne eine Hollywoodschaukel und wartet auf Benutzer ? eine nette Geste der Studenten, die als Erste im Jahr 2000 einzogen, dieses Utensil für die Nachkommenden stehenzulassen...

Anja Buch

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